In seinem neuesten Kunstprojekt geht Norbert Bayer der Frage nach, wie sich Zeit und Raum in unserem ganz persönlichen Alltag manifestieren.

Ein Klick auf die Website www.ModernMosaics.net offenbart auf den ersten Blick einen scheinbar zufällig zusammengewürfelten Kosmos aus Mustern: florale und geometrische, simple und komplexe, farbige und schwarz-weiße. Doch neben jedem Muster steht eine beigefügte kleine Landkarte, auf der mit einem Punkt ein spezifischer Ort bezeichnet ist: es ist der Ort, an dem sich das Orginal zum Muster befindet. Dort materialisiert es sich als physisches Objekt, d.h. als fest verankertes Terracotta- oder Glasmosaik.

Bayers Recherche in Abhandlungen und persönlichen Reiseberichten förderte Muster zutage, die nur selten fotografiert werden und wenn meist nur am Rande, da sich das Interesse der Kunstwissenschaft und der Reisenden nur auf die ins Auge springenden Genreszenen und Personen darstellenden Motive zu stürzen scheint. Das flächige Dekor, das den Rahmen bildet und zurückgenommen im Hintergrund bleibt, wird in den Untersuchungen und Abbildungen zumeist ausgeblendet.

Die entstandenen Entwürfe sind Variationen dieser Mosaike, ohne aber deren Charakter zu verraten. Der Bildschirmoberfläche entsprechend sind sie aufgepixelt und zwar nicht nur aus technischen Gründen. Die Rasterung wird sogar noch betont: durch die Fläche jedes Mosaikpunktes von 2 x 2 Pixeln wird die Darstellung absichtlich vergröbert. So wird in zweifacher Hinsicht darauf angespielt, daß es sich bei den Originalen ebenfalls um durch kleine und kleinste Steinchen aufgerasterte Vorlagen handelt.

Bayer bietet diese Muster für den Besucher als Modern Mosaic zum Download an, so daß sich jeder das aktuelle Muster als Bildschirmhintergrund laden kann. Damit werden durch die Überführung in eine Pixelzeichnung und die Distribution auf der Website die Mosaike nach jahrhundertelanger Beschränktheit auf einen Ort endlich überall verfügbar gemacht.
Von ihrer materiellen Last und vom festgelegten Ort befreit können sie nun als virtuelles Bild jeden beliebigen Rechner zieren.
Dieser ist heutzutage, wie die Villen oder Kirchen, in denen sich diese Muster ursprünglich befinden, das Statussymbol Nummer Eins; der virtuelle Raum wird von vielen dem konkreten Raum als Kommunikations- und Kontemplationsort oft vorgezogen und genauso personalisiert und dekoriert.

Die teils sehr ausladenden Muster laufen nicht über den ganzen Bildschrirm, sondern sie werden gebrochen und durch farbige Flächen abgesetzt. Dadurch entsteht ein räumlicher Effekt, Ecken und Kanten eines Raumes werden sichtbar.
So werden die Bildschirmhintergründe erst alltagstauglich: die Ordner können auf der Bildschirmoberfläche analog zum realen in einem dargestellten Raum angeordnet werden.

Es gibt für jeden Monat ein Modern Mosaic zum Download. Wer sich Monat für Monat das aktuelle herunterlädt oder per E-mail zuschicken läßt, kann sich so auf einer abwechslungsreichen Reise durch die jahrhundertelange musivische Tradition Europas von den Hintergründen inspirieren lassen. Bayer führt so das Mosaik wieder auf seine ursprüngliche etymologische Herkunft zurück, die aus dem griechischen stammt und "den Musen geweiht" bedeutet.

Fabrizio Bianchi
Dezember 2004

In his latest art project Norbert Bayer is trying to find out how time and space manifest in our daily lives.

At a first glance the website www.ModernMosaics.net offers a seemingly accidental collection of patterns: Floral and geometrical, simple and complex, colored and black and white. But next to each pattern you can find a small map on which a specific place is marked with a tiny dot: It is the place where the original to the pattern is located. Where it materializes as a physical object, a permanent mosaic of terracotta or glass.

Bayer's research in dissertations and personal travel journals extracted patterns that are photographed very rarely. The few times they are, it is mostly in passing, because the interest of art history and travelers seems to focus on representational aspects of the genre. The researchers often ignore frameworks, the backgrounds, and the actual patterns of the mosaics.

Bayer's designs are variations of these mosaics; he interprets them without betraying their character. Analogue to the monitor's surface they are pixilated, but not exclusively for technical reasons: The grid gets accentuated. Each element of the mosaic is 2 by 2 pixels in dimension, thus the pixilated image is rather coarse compared to the original. Thus Bayer implies the fact that the originals are raster interpretations of the world, consisting of small stones.

Bayer offers these patterns for download as Modern Mosaic; everybody can load the current pattern as desktop wallpaper. By transferring these mosaics to a pixel image and distributing them via the website, he finally makes them available everywhere, after centuries of being restricted to only one place.
Liberated from their material burden they can now decorate any computer as a virtual image.
Today the computer is the status symbol number one, very much like the villas and churches in which these patterns were displayed originally. The virtual space is often preferred to the concrete space as a place for communication and contemplation and is customized and decorated in the same way.

The partly sweeping patterns don't cover the whole monitor, but are interrupted by colored areas. Thus a spatial effect is created; corners and edges of a room are visible.
Thus making the desktop wallpapers usable in daily life: Folders can be arranged on the monitor's surface in a virtual room analogue to a concrete room.

For each month a Modern Mosaic is available for downloading. Everybody who downloads the current one every month or subscribes to the e-mail service can go on a diverse trip through Europe's centuries old musivic tradition and get inspired by the wallpapers. That way Bayer leads the mosaic back to its basic etymologic meaning, deriving from the Greek language, meaning, "consecrated to the muses".

Fabrizio Bianchi
December 2004